{"id":435,"date":"2013-06-20T14:53:08","date_gmt":"2013-06-20T13:53:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vetorecords.de\/blog\/?p=435"},"modified":"2016-05-16T21:47:21","modified_gmt":"2016-05-16T20:47:21","slug":"love-is-a-mixtape","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vetorecords.com\/blog\/love-is-a-mixtape\/","title":{"rendered":"Love is a Mixtape"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.vetorecords.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/cassettetape11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-436\" title=\"cassettetape1\" src=\"http:\/\/www.vetorecords.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/cassettetape11.jpg\" alt=\"\" width=\"489\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.vetorecords.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/cassettetape11.jpg 489w, https:\/\/www.vetorecords.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/cassettetape11-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.vetorecords.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/cassettetape11-482x300.jpg 482w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><\/a>Tja, das waren noch Zeiten, als man vor dem Radio sa\u00df und darauf gewartet hat, dass doch bitte endlich\u00a0<em>dieses<\/em>\u00a0eine Lied kommen m\u00f6ge, auf dass man jetzt schon so lang wartete. Denn dann konnte man den Song auf Kassette mitschneiden und musste ihn nicht k\u00e4uflich erwerben. Au\u00dferdem hatte so eine selbst zusammengestellte Playlist doch auch viel mehr Pers\u00f6nlichkeit als eine gekaufte Compilation. Nervig nur, wenn der Moderator das Ende oder den Anfang des Liedes unn\u00f6tigerweise durch Gequassel unterbrach. Aber das geh\u00f6rte eben zu den einzukalkulierenden St\u00f6rfaktoren eines professionellen Mixtapers.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seine Bl\u00fctezeit erlebte das Mixtape in den 1980er Jahren. Verliebte pubertierende m\u00e4nnliche Wesen bespielten liebevoll Audiokassetten mit den sch\u00f6nsten Schmacht-Balladen, um damit das Herz ihrer Angebeteten zu erobern. Charts-Liebhaber sa\u00dfen stundenlang vor ihrem Radio, um die aktuellsten Songs mitzuschneiden. Und dann gab es noch jene, die einfach ihren einzigartigen Musikgeschmack unter Beweis stellen wollten und ungebeten Mixtapes auf Partys und an Freunde verteilten.<\/p>\n<p>Die Musikindustrie, die sich schon damals stets um wegbrechende Ums\u00e4tze sorgte, reagierte auf den Mixtape-Hype mit der Protestbewegung \u201eHome Taping Is Killing Music\u201c. Dieser theatralische Slogan wurde au\u00dferdem noch mit dem Untertitel \u201eund es ist illegal\u201c versehen, damit auch der Letzte verstand, dass mixtapen den Straftatbestand des Diebstahls bzw. des unerlaubten Vervielf\u00e4ltigens erf\u00fcllte. Ein Aufgreifen oder gar Vorgehen gegen den listigen Musikverbreiter war aber eher nicht zu bef\u00fcrchten. Die Kampagne sorgte eher f\u00fcr Aufbegehren und Spott, auch seitens vieler K\u00fcnstler selbst. So gab es recht bald sp\u00f6ttische Abwandlungen des Slogans wie \u201eHome Cooking Is Killing The Restaurant Industry\u201c, die der Kampagne deren Absurdit\u00e4t aufzeigen sollten.<\/p>\n<p>Wie wir wissen hat sich das Kopieren urheberrechtlich gesch\u00fctzter Inhalte inzwischen verselbstst\u00e4ndigt. Heute spricht man von der \u201eRaubkopie\u201c. Und betrachtet man in welcher Schnelle nagelneue Filme und Alben inzwischen unerlaubterweise auf den Tauschb\u00f6rsen umherfliegen, so erscheint das gute alte \u00dcberspielen und Mitschneiden auf Kassette l\u00e4cherlich harmlos dagegen. Fast ein wenig niedlich. Und das war es ja auch irgendwie, haftete ihm, dem Mixtape, doch so etwas wie der s\u00fc\u00dfliche Geruch der ersten unschuldigen Verliebtheit an. In das M\u00e4dchen mit den Sommersprossen. Oder in den Song, der auf der Kassette schon ganz leiernd klang, weil man ihn st\u00e4ndig zur\u00fcckgespult und abermals angeh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Nun, ich geh\u00f6re einer Generation an, die das Mixtape noch kennt und die gleichzeitig innerhalb einer kurzen Zeitspanne eine Vielzahl technischer Erneuerungen erlebt hat. Als ich mit 18 Jahren mein erstes Auto hatte, war ich froh \u00fcber meine alten selbst bespielten Audiokassetten, hatte mein Ford Fiesta doch schlie\u00dflich nur ein Kassettendeck. Und ich konnte somit wieder eintauchen in meine Teenagerwelt. Jeder Song stand f\u00fcr ein bestimmtes Lebensgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Das \u00c4quivalent zum Mixtape sind heute die Playlists auf diversen Mediaplayern auf dem Computer oder dem MP3-Abspielger\u00e4t. Wobei die Ausf\u00fchrung sich wesentlich zeitsparender gestaltet als dies noch zur Mixtape-\u00c4ra der Fall war. Und genau hier liegt vielleicht der Knackpunkt, warum dem Mixtapen ein Hauch des Besonderen anhaftete. Es war ein Ritual. Eine Zeremonie. Man musste sich Zeit nehmen. Man musste die Radiosendung h\u00f6ren, wollte man Lieder aufnehmen. Man h\u00f6rte zu, wenn Songs \u00fcberspielt wurden. Musik war ein kostbarer, seltener Schatz. Heute ist sie st\u00e4ndig zug\u00e4nglich. \u00dcberall werden wir im Internet mit Musik \u00fcberh\u00e4uft. So sehr, dass man manchmal gar nicht mehr richtig hinh\u00f6rt, weil man sich \u00fcbers\u00e4ttigt f\u00fchlt. Musikh\u00f6ren geschieht dann oft nur noch nebenbei und gar nicht mehr richtig bewusst.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten der Moderne sind auch in diesem Punkt mal wieder Fluch und Segen zugleich. Missen m\u00f6chte ich die heutigen Standards nun auch nicht mehr und trotzdem bin ich froh, dass ich die Kassetten-\u00dcberspiel-Bl\u00fctezeit noch kennenlernen durfte. Ja, es waren schon wirklich knorke Zeiten mit dir, liebes Mixtape!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tja, das waren noch Zeiten, als man vor dem Radio sa\u00df und darauf gewartet hat, dass doch bitte endlich\u00a0dieses\u00a0eine Lied kommen m\u00f6ge, auf dass man jetzt schon so lang wartete. 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