{"id":486,"date":"2013-11-27T01:57:42","date_gmt":"2013-11-27T00:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vetorecords.de\/blog\/?p=486"},"modified":"2013-11-28T11:22:53","modified_gmt":"2013-11-28T10:22:53","slug":"its-disco-time-so-wars-bei-arcade-fire-im-berliner-astra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vetorecords.com\/blog\/its-disco-time-so-wars-bei-arcade-fire-im-berliner-astra\/","title":{"rendered":"It\u2019s Disco-Time! So war\u2019s bei Arcade Fire im Berliner Astra"},"content":{"rendered":"<p>Ein Plakat, einer unbekannten, mysteri\u00f6sen Band namens <strong>The Reflektors<\/strong>, das kurzzeitig Anfang November an der Oberbaumbr\u00fccke im Berliner Bezirk Friedrichshain gesichtet worden war, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Nur wenige Minuten hatte das Poster, das \u201ethe new sensation from Montreal\u201c f\u00fcr den 19. November im <strong>Astra Kulturhaus<\/strong> ank\u00fcndigte, dort verweilt bevor es durch ein anderes \u00fcberklebt und damit ersetzt worden war. Lang genug jedoch, um Cover-Artwork und den Titel des aktuellen <strong>Arcade-Fire<\/strong>-Albums als findiger Fan sofort zu erkennen. Und es hatte sich ja inzwischen auch herumgesprochen, dass die kanadische Band in ihrer Heimat bereits einige kleine Club-Geheim-Gigs unter dem Pseudonym <strong>The Reflektors<\/strong> absolviert hatte.<\/p>\n<p>Im Web verbreitete sich die Nachricht, dass <a title=\"Zur Website der Band\" href=\"http:\/\/arcadefire.com\/reflektorpreorder\/eu\/\"><strong>Arcade Fire<\/strong><\/a>, ihres Zeichens Grammy-Gewinner und Stadien-F\u00fcll-Band, ein kleines, intimes Konzert vor ein paar hundert Leuten spielen w\u00fcrden, wie ein Lauffeuer. Einzige Bedingungen: Eine Verkleidung oder elegante Abendgarderobe als Dress-Code sowie eine Handvoll Gl\u00fcck beim Online-Ordern der h\u00f6chstens zwei personalisierten Tickets, die nat\u00fcrlich innerhalb von knapp f\u00fcnf Minuten ausverkauft und im Nachgang bei ebay manchem Fan bis zu 400 Euro pro St\u00fcck wert waren. Aber hey, es ging hierbei eben um eine verdienterma\u00dfen inzwischen ziemlich bekannt gewordene Band, die man sicher so schnell nicht wieder in so einem kleinen Rahmen erleben k\u00f6nnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schon die Vorbereitungen zu diesem Konzertabend sind irgendwie anders als man es als geneigter Konzertg\u00e4nger gewohnt ist. Es macht Spa\u00df sich mal so richtig herauszuputzen, ein wenig elegant, ein wenig verspielt, in dem Wissen, dass die Band sich das genauso vorgestellt hat, also schon mit der Absicht, dass man sich schon vor dem Konzerterlebnis mit diesem Abend auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Auch das Astra hat sich an diesem Abend auf besondere Art und Weise herausgeputzt. Discokugeln, Glitter, Glanz und Lichterketten verwandeln das Kulturhaus in eine Location, die wie eine Mischung aus 20er Jahre Maskenball \u00e1 la \u201eGreat Gatsby\u201c und 70er Jahre Disco wirkt. F\u00fcr den Maskenball sorgen nat\u00fcrlich die zahlreichen verkleideten G\u00e4ste. Ob Maske, Katzen\u00f6hrchen, Pippi Langstrumpf oder Ganzk\u00f6rper-Affenfell \u2013 so gut wie alle G\u00e4ste haben sich an den Dress-Code gehalten. Und es macht Spa\u00df sich die eleganten Abendkleider, die Herren in Smokings mit Fliege und die vielen strahlenden Gesichter anzuschauen. F\u00fcr einen Abend raus aus der Alltagshaut und rein in das Kost\u00fcm-Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ausgelassen tanzt die gl\u00fcckliche Fan-Meute zusammen mit den vermeintlich echten <strong>Arcade-Fire<\/strong>-Bandmitgliedern, die sich mit \u00fcberdimensional gro\u00dfen Pappmach\u00e9-K\u00f6pfen unter das Publikum gemischt haben, zu groovendem Disco-Sound. Und dann gegen halb neun, als sich die bunte Fan-Menge ein bisschen enger Richtung B\u00fchne gedr\u00e4ngt hat, taucht pl\u00f6tzlich inmitten der ganzen K\u00f6pfe, der 1,90 m-K\u00f6rper von Frontmann <strong>Win Butler<\/strong> auf, der ein paar Zeilen von <strong>\u201eMy Body Is A Cage\u201c<\/strong> zum Besten gibt, w\u00e4hrend der Rest der Disco-Formation <strong>The Reflektors<\/strong> auf der B\u00fchne Einzug h\u00e4lt. Mit <strong>\u201eReflektor\u201c<\/strong>, der Single und dem gleichnamigen Titel des aktuellen Albums, bleibt es groovy und tanzbar im Astra Kulturhaus. <strong>Arcade Fire<\/strong> fallen an diesem Abend nicht aus ihrer Rolle der Alter-Ego-geschaffenen Disco-Band und doch wirkt hier nichts aufgesetzt oder gespielt.<\/p>\n<p>Die begeisterte Spielfreude wirkt genauso echt wie das den ganzen Gig anhaltenden charmante L\u00e4cheln <strong>R\u00e9gine Chassanges<\/strong>. Die Band wirkt ausgelassen und gel\u00f6st als freue sie sich, dass sie f\u00fcr sich einen Weg gefunden hat, nochmal n\u00e4her und intimer an den Fan zu kommen ohne die Weite und Abstraktheit der gro\u00dfen Stadien, die sie inzwischen sonst zu f\u00fcllen vermag. Und als Fan selbst f\u00fchlt man sich nat\u00fcrlich auch besonders bei diesem speziellen Ereignis zugegen sein zu d\u00fcrfen. Schick gekleidet und umringt von ebenso famos angezogenen Menschen.<strong> \u201eIt\u2019s nice to look at a bunch of well dressed people!\u201c<\/strong>, konstatiert auch ein zufrieden wirkender <strong>Win Butler<\/strong>, der uns mal den Disco-King gibt und dann wieder zur Rock-Rampensau mutiert.<\/p>\n<p>Alt bekannte Nummern wie <strong>\u201eNeighborhood #3 (Power Out)\u201c<\/strong> treffen auf neues Material wie <strong>\u201eYou Already Know\u201c<\/strong> und <strong>\u201eAfterlife\u201c<\/strong>, bei dem der komplette Club eintr\u00e4chtig mitsingt. Bei <strong>\u201eSprawl II (Mountains Beyond Mountains)\u201c<\/strong> vom Vorg\u00e4nger-Werk <strong><em>The Suburbs<\/em><\/strong> Hat <strong>R\u00e9gine Chassange<\/strong> schlie\u00dflich ihren gro\u00dfen Moment, bevor bei <strong>\u201eNormal Person\u201c<\/strong> der Feier-Zenit bis zum Anschlag ausgedehnt wird.<\/p>\n<p>Ein Win-Gesang mit Pappmach\u00e9-Kopf, ein aus dem Publikum erbetteltes Bier und eine kurze Stagediving-Einlage des S\u00e4ngers sp\u00e4ter sind wir auch schon bei den Zugaben angelangt, die uns eher wieder zu den Urspr\u00fcngen <strong>Arcade Fires<\/strong> zur\u00fcckf\u00fchren, denn mit <strong>\u201eHaiti\u201c<\/strong> und <strong>\u201eWake Up\u201c<\/strong> verabschieden sich die Kanadier mit zwei herausragenden (und ja doch eher ruhigen) Songs des Deb\u00fcts <strong><em>Funeral<\/em><\/strong>. Das Publikum singt schwelgend und aus Leibeskr\u00e4ften die ja doch recht simpel gehaltenen Textpassagen mit. Danach fordert <strong>Win Butler<\/strong> die tobende Menge dazu auf noch ein wenig zu bleiben und zu den von DJs bereit gestellten Disco-Kl\u00e4ngen im Astra zu tanzen. Ger\u00fcchten zufolge soll er selbst auch noch das Tanzbein geschwungen haben.<\/p>\n<p>Und dann ist man pl\u00f6tzlich wieder drau\u00dfen und die kalte Berliner Nachtluft holt einen schneller als man lieb ist wieder in die Realit\u00e4t zur\u00fcck. Trotzdem wird dieser Abend noch lange im Ged\u00e4chtnis nachhallen als buntes, schrilles, besonderes Ereignis, das verdammt\u00a0 viel Spa\u00df gemacht hat.<\/p>\n<p><strong>Und diese Songs wurden gespielt:<\/strong><\/p>\n<p>Intro: My Body Is A Cage<br \/>\nReflektor<br \/>\nFlashbulb Eyes<br \/>\nNeighborhood #3 (Power Out)<br \/>\nJoan of Arc<br \/>\nYou Already Know<br \/>\nWe Exist<br \/>\nIt&#8217;s Never Over (Oh Orpheus)<br \/>\nAfterlife<br \/>\nSprawl II (Mountains Beyond Mountains)<br \/>\nNormal Person<br \/>\nUncontrollable Urge (im Original von Devo)<br \/>\nHere Comes the Night Time<\/p>\n<p><strong>Zugabe:<\/strong><br \/>\nHa\u00efti<br \/>\nWake Up<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/KxWT6_VcjeA\" frameborder=\"0\" width=\"640\" height=\"380\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Plakat, einer unbekannten, mysteri\u00f6sen Band namens The Reflektors, das kurzzeitig Anfang November an der Oberbaumbr\u00fccke im Berliner Bezirk Friedrichshain gesichtet worden war, hatte den Stein ins Rollen gebracht. 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